Skip to content

#002 Doping für den Journalismus

Am aktuellen Beispiel von Scharapova sieht man mal wieder ganz gut, wie die Medien arbeiten oder eben nicht arbeiten. Sie verpassen es immer wieder, das Momentum das solch seltene und anfachende Ereignisse generieren, für eine investigative Untersuchungskampagne zu nutzen und stürzen sich stattdessen wie die Aasgeier auf die missliche Lage eines Individuums, mit dem einzigen Ziel Einkommen zu generieren. Sie dopen sich tagtäglich, indem sie ihr nicht vorhandenes Gewissen mit dem Geruch des Geldes betäuben und zugleich völlig unverschämt den Finger auf Jene richten, in denen sie Parallelen zu ihrem eigenen, alltäglichen Fehlverhalten wiedererkennen.

Es ist völlig klar, dass anti-ischämische Arzneimittel wie Meldonium, also Mittel die Durchblutungsstörungen bekämpfen, von Sportlern offensichtlich aus nicht medizinischen Gründen zur Leistungssteigerung eingenommen werden. Das ist bei Scharapova nicht anders. Es zeugt nur von ihrer Dummheit oder ihrer völligen Beratungsresistenz, dass sie das nach diesem für sie unglücklichen Testresultat nicht direkt zugibt. Sie versucht uns klar zu machen, dass sie als Leistungssportlerin zehn Jahre lang Durchblutungsstörungen hatte, diese mit Meldonium behandelt hat, und nichts von der leistungs-, durchblutungs-, und regenerationsfördernden Wirkung mitbekommen hat. Nun gut, vielleicht ist das Wort „Leistung“ im Bezug auf Scharapova mittlerweile doch etwas fehl am Platz, aber auch als professionelle Stöhnerin dürfte sie mit unter 30 Jahren wohl kaum unter Arteriosklerose leiden. Wir können von so einem seelenlosen Werbepüppchen mit Vaterkomplex gewiss keine intelligentere Stellungnahme erwarten, viel interessanter ist deshalb, dass sie uns dadurch einen flüchtigen Blick in das Gehirn eines modernen Gladiators gewährt. Die riesigen Summen, die heutzutage im Leistungssport fließen, zwingen die oftmals dürftig gebildeten und schlecht beratenen Athleten, zu allen legalen, noch-legalen, illegalen jedoch nicht nachweislichen, sowie nachweislichen illegalen Mitteln zu greifen um bei Titelvergaben überhaupt jemals eine Rolle zu spielen.

Was die meisten Menschen jedoch nicht verstehen ist, dass gedopte Champions, sei es im Tennis oder in einer anderen geldverseuchten Sportart, unter völlig fairen Bedingungen mit sehr sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer noch Champions wären. Wenn alle zu Doping greifen, dann findet keine asynchrone Wettbewerbsverzerrung statt, sondern eine lineare. Wenn im Radsport keiner gedopt hätte, dann hätte Lance Armstrong trotzdem dieselben Titel gewonnen, weil er mit Abstand am härtesten trainierte und den größten Kampfgeist hatte. Unsere Geilheit auf immer höhere Ergebnisse beim Basketball und beim American Football, auf irre Aufholjagden im Tennis und im Fußball, auf immer höhere, weitere und schnellere Sprünge, Würfe und Sprints in der Leichtathletik tragen alle dazu bei, dass Doping für moderne Athleten zum einzigen Ticket wird, das sie zur Spitze ihrer Sportart führen kann. Unsere sensationsgeile Plastikgesellschaft drängt die Athleten mit enormem Druck zu jedem Mittel zu greifen, nur um uns gerecht zu werden. Deshalb kann ich nicht verstehen, wieso die Medien und vor allem die Allgemeinheit ihre ganze Energie auf eine einzelne Person richtet, wie in diesem Fall auf Scharapova, anstatt nach den Gründen für Doping zu suchen, und diese gezielt so zu präsentieren, dass sich in den Köpfen der Menschen endlich etwas ändert. Das Meldonium-Verbot durch die Welt-Anti-Doping-Agentur ist erst seit dem 01.01.16 wirksam und Blondie hat es im Gegensatz zu ihren Kollegen einfach verschlafen das Zeug rechtzeitig abzusetzen. Kein Grund sie jetzt zum Prellbock der gesamten Sportwelt zu machen und dabei auch noch die Augen vor der grausamen Realität des Dopings im modernen Leistungssport zu verschließen. Generell habe ich in den Massenmedien seit langem keinen investigativen Artikel mehr gesehen, was ich als ziemlich besorgniserregend empfinde. Wenn man als Journalist tiefer recherchiert und mehr Arbeit in eine Story reinsteckt, wird man in den wenigsten Fällen von seinen Vorgesetzten dabei unterstützt. Vielmehr ist die Anweisung von oben, dass nie mehr als nötig recherchiert werden soll, um Kosten zu sparen, und die Arbeitszeit stattdessen in die Findung klangvoller clickbait Titel investiert werden soll um mehr Ertrag zu erzielen.

Ich investiere viel zu wenig Zeit in das hier, um den heutigen Journalismus realistisch mit der Berichterstattung aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg vergleichen zu können, aber ich habe das Gefühl, dass es mit den Jahren immer weniger Varianz in der Berichterstattung gibt und das wir uns diesbezüglich rasend schnell auf den Stand der Vorkriegszeit zurückentwickeln. Damals in der misslichen ökonomischen und politischen Lage waren nur extreme, populistische und autoritäre Positionen, wie die der NSDAP oder der KPD salonfähig. Die Menschheit versäumte es sich zu widersetzten und nahm schleichend die Meinung der Nazis an. Nicht zuletzt möglich gemacht durch die mächtige, gleichschaltende Gruppendynamik, die von Propaganda befeuert wurde. Doch Ausreißer oder Andersdenkende sind auch in unserer heutigen Equality-Kultur nicht erwünscht. Den Menschen werden fertige Ideologien serviert, die einem das Denken ersparen. Wer nicht gehorcht wird von der gleichgeschalteten Masse erdrückt.

Wie damals.

Wir sind schon so weit, dass in den Feministischen Staaten von Amerika die Bitte eines Mannes an eine Frau ihn doch während seiner Rede nicht zu unterbrechen, riesige Empörung in entsprechenden Kreisen auslöst. Das kann nicht unser ernst sein, das können wir definitiv besser.
Wir brauchen mehr als nur hin und wieder die ein oder andere positive journalistische Ausnahme, um etwas ändern zu können bevor wir alle zu gleichdenkenden Zombies werden. Wann werden wir uns endlich befähigen, sodass wir den großen, desinformierenden Medienhäusern den Boden unter den Füßen wegreißen, und das mächtige Werkzeug des Journalismus endlich für die richtigen Dinge nutzen können?

Leave a Comment

#001: „Idiocracy“ wird Realität

Aufgrund der humanitären Katastrophe, welche uns Europäer nun seit geraumer Zeit täglich beschäftigt und über alle Medien hinweg verfolgt, versuche ich die innenpolitischen Negativschlagzeilen so gut wie es geht zu meiden. Ich bekomme mittlerweile akute Bauchschmerzen sobald Begriffe mit den Präfixen „Flüchtling-„ oder „Asyl-„ zu meinen Sinnesorganen vordringen. Sogar als jemand der nun seit einigen Jahren weniger als zwei Stunden pro Woche vor dem Fernseher verbringt, wurde mir diese Art der erzwungenen Berichterstattung einfach zu viel.

Ich habe das Gefühl, dass es mittlerweile völlig egal ist was für ein Debiler man ist, beziehungsweise was für eine lächerliche Position man vertritt. Sobald man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, völlig egal auf welche Art dieser erlangt wurde, und mal wieder ein Flüchtlingsheim brennt oder irgendwo an der Slowenisch-Österreichischen Grenze ein Flüchtlingsbus eine Reifenpanne hat, bekommt man in den Massenmedien eine Bühne für seinen geistigen Dünnschiss. Ich würde mein Leben darauf verwetten, dass heute schon wieder der ein oder andere Unterschichten-Sender irgendwelche angry FB-Statusnachrichten von Der Bachelor-, Dschungelcamp-, [insert_reality_show_title_here]-, Kandidaten vor einem Hunderttausendpublikum ausgestrahlt hat.

Aus diesen Gründen suchte ich vor einigen Wochen nach Alternativen zu n-tv und n24, um mich vom Flüchtlingsthema abzuwenden und landete nach wenigen zapps auf CNN.

Richtig.

Es geht deutlich schlimmer als „bei uns“. Doch komischerweise macht die repetitive und stumpfe Berichterstattung auf CNN im Gegensatz zu den deutschsprachigen Reportagen süchtig. Ich fühle mich nach der mehrwöchigen CNN Kur wie neu geboren, auch wenn ich davon wohl einige Lachfalten davongetragen, und mir einen noch schlechteren Schlafrhythmus antrainiert habe. Ich verstehe jetzt sogar wie es möglich ist, dass Donald Trump so kurz vor dem Super Tuesday in einigen GOP Umfragen mit mehr als 40% vorne liegt, und somit voll auf die GOP Nominierung zusteuert.

Die gebildeten Amerikaner, die wiederum zu faul sind, um ins Wahllokal zu gehen, lachen sich genau wie wir über die Stand-up-Comedians Trump und Rubio kaputt. Sie verschlafen schlichtweg die Vorwahlen, weil sie nicht sehen wie Satire zu Realität wird, wie Demokratie vom Mitmachen zum reinen Zuschauersport degeneriert, wie so vieles in den Staaten. Die Menschen, die Bernies Ansichten teilen, glauben am wenigsten an seinen Erfolg oder unterschätzen die anderen Kandidaten bzw. die Dummheit des eigenen Volkes. Ein klassischer Fall des „nicht wahrhaben wollens“ aus dem bekannten Modell von Kübler-Ross.

Die ungebildete Schicht hingegen lässt sich von den populistischen und teilweise raffiniert maßgeschneiderten Provokationen der Trump Kampagne mitreißen. Das Setting ist teilweise kaum von dem, der 2006 erschienenen Kult Komödie „Idiocracy“ zu unterscheiden. Sogar der Schöpfer von Idiocracy, Etan Cohen, kann nicht glauben wie präzise sein als reine Satire angelegtes Projekt, die Zukunft vorhergesagt hat.

Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich darüber schockiert sein soll, dass Trump große Teile der Mittelschicht für sich gewinnt, oder aber darüber, dass die Mittelschicht so sehr geschrumpft ist, dass sie Kandidaten wie TheDonald™ nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Es ist kein Geheimnis, dass mehr als nur ein Wunder nötig wäre, um am Ende bei den Hauptwahlen ein anderes Szenario als Hillary vs. Trump zu bekommen. Beide Kandidaten rasen ihren Kontrahenten pünktlich zum Super Tuesday davon und ich glaube daran wird sich auch nichts mehr ändern. Und obwohl ich die Kriegstreiberin Hillary nicht wirklich leiden kann glaube ich, dass uns dieses Mal ihre in der midlife crisis steckenden, debattierresistenten Fanatikerinnen, die Bernie nur aufgrund seines Geschlechts nicht wählen, noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen lassen. Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Trumpeltier auch diese Kreaturen inklusive Minderheiten und Obama-affine für sich gewinnen kann.

Aber wenn es weiterhin so bergab geht mit dem Bildungsstand in den USA oder um ein Beispiel zu nennen: der lächerlich steigenden Quote (~40%) derer, die einen atheistischen Kandidaten unter keinen Umständen wählen würden, dann will ich nicht wissen was bei den nächsten Wahlen auf uns zukommt. In dem Sinne, #Camacho2016.

Leave a Comment